Grünflächen in der Stadt

Grünflächen prägen Städte weltweit und sind wie diese extrem vielfältig. Während Bäume in der Stadt seit jeher als Schattenspender und Luftreiniger geschätzt werden, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt welch ökologisch wichtige Einheit Wiesen- und Rasenflächen, der flächenmäßig weitaus größte Teil der städtischen Vegetation, im städtischen Verbund darstellen. Dabei tragen alle Wiesen- und Rasentypen, ebenso wie Bäume, durch Verdunstung zur Temperaturregulierung bei, fixieren CO2 und binden Feinstaub aus der Luft. Zusätzlich verhindern sie die Erosion, also das Abtragen, des Oberbodens bei z.B. Starkregenereignissen und dienen der Erholung.

Ebenso vielfältig wie die ökologischen Funktionen der Grünflächen ist auch ihr Management. Grundsätzlich sind in unseren Breiten Wiesen nur durch regelmäßige Nutzung, wie Mahd oder Beweidung als wertvolles, artenreiches Offenland zu erhalten. Da Mähen andererseits immer die in Wiesen lebenden Tiere bedroht, gilt es immer abgestimmte Maßnahmen vorzunehmen (siehe "Van de Poel & Zehm 2014: Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen - eine Literaturauswertung für den Naturschutz" unter Literatur).

Während oft gemähte Rasen meist in stark genutzten Parks und an öffentlichen Plätzen zu finden sind, werden manche Wiesenflächen nur wenige Male pro Jahr gemäht und können sich dadurch zu naturnahen und blütenreichen Pflanzengesellschaften entwickeln und das mitunter mitten in der Stadt. Dadurch bieten sie einer Vielzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten eine Zuflucht im urbanen Dschungel. Manche dieser Arten sind inzwischen selten geworden, weil ihre natürlichen Lebensräume nach und nach verschwinden.

So sind viele der Insektenarten, die wir heute auf städtischen, extensiv gepflegten Wiesen antreffen, ursprünglich Bewohner von Mager- und Trockenrasen, Mähwiesen oder Feuchtwiesen gewesen. Diese Grünländer sind in unserer Landschaft durch die Maßnahmen zur Angleichung der Bodenverhältnisse wie Entwässerung, Düngung und Bearbeitung meist einheitlichen, produktiven Wirtschaftsgrünländern gewichen. Je nach Standort lassen sich diese Vegetationstypen jedoch im Siedlungsgebiet erhalten oder entwickeln. Diese  Ersatzlebensräume in der Stadt kommen neben den Insekten aber auch Vögeln und anderen Tieren zugute, die direkt oder indirekt von ihnen profitieren.

In Karlsruhe

begann das Garten­bau­amt bereits Anfang der 70er Jahre schritt­weise ein diffe­ren­zier­tes natur­nä­he­res Pflege­kon­zept für die Grünflä­chen zu entwickeln. Das Ziel war und ist möglichst naturnahes Grün in das Wohnumfeld zu integrie­ren, aber auch die Nutzbar­keit der Grünflä­chen für die Naher­ho­lung zu garan­tie­ren. Im Abgleich mit der Freizeit­nut­zung (Sonnen, Spielen) konnten so weniger stark frequen­tier­te Flächen zunehmend extensiver gepflegt werden Einen bedeu­ten­den Anteil an der naturnahen Pflege der Grünflä­chen nehmen Rasen und Wiesen ein. Im Jahre 1976 wurden 76 Prozent der Flächen noch intensiv gepflegt, das heißt zwischen acht und zwölfmal pro Saison gemäht. 2004 wurden nur noch 5 Prozent der Rasen­flä­chen so intensiv gepflegt. 32 Prozent der Flächen sind nun sogenann­te Blumen­wie­sen, die nur noch ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden.

Durch die extensive Pflege und das Aufnehmen des Mähgutes ist es gelungen, an vielen Standorten mitten in der Stadt arten­rei­che, blühende Wiesen anzulegen. Diese sind wiederum Lebensraum für viele Kleintiere von der Hummel bis zum Schmet­ter­ling. Böschungen und Ränder von Gehölz­flä­chen werden teilweise nur alle ein bis zwei Jahre gemäht, um für Klein­tie­re Überwin­te­rungs­mög­lich­kei­ten und Futter für die Körner­fres­ser bereit­zu­hal­ten.