W 50 Morgen in Hohenwettersbach

Die extensiv gepflegte Wiese am Ortsrand "Fünfzig Morgen" in Hohenwettersbach weist eine längere Nutzungsgeschichte am Alten Weinberg auf. Sie wird seit einigen Jahren vom Gartenbauamt gepflegt, in der Regel 2 mal pro Jahr gemäht. Der hohe und dichte von Glatthafer dominierte Bestand zeigt deutlich den Nährstoffreichtum der Fläche. Viele Pflanzenarten sind nicht typisch für eine standorttypische (Flachland-) Wiese, einige dürften eingesät worden sein, einige sind invasiv. Die regelmäßig spät durchgeführte erste Mahd mit Abfuhr des Mähguts begünstigt die Artenvielfalt der Blütenpflanzen. Die Gesamtartenzahl ist durchaus hoch (s. Artenliste unter Forschung). Für die Insekten und Spinnen ist jede Mahd ein Einschnitt, wenn die gesamte Fläche gemäht wird und für die weiteren Arbeitsschritte mehrfach befahren wird, bedeutet das den Tod für einen großen Teil der Tiere. Ein Mulchschnitt am Ende des Jahres vernichtet zusätzlich die Überwinterungsstrukturen. Entsprechend waren in den letzten Jahren nur wenig Heuschrecken, Schmetterlinge und Spinnen zu beobachten.    

Seit Frühjahr 2018 wurde deshalb in der  Fläche mit 5 Bodenfallen die Bodenfauna gesammelt, und v.a. die Spinnenfauna näher untersucht. Inzwischen (Juli 2019) wurde mit den Daten eine Bachelorarbeit (KIT) verfasst.

57 Spinnenarten wurden im ersten Jahr mit Bodenfallen nachgewiesen (s. Artenliste). Wie in den meisten Grünflächen dominieren die frei jagenden Wolfspinnen (Lycosidae) bei den Arten- und Individuenzahlen. Die meisten Arten gehören zu den in Baden-Württemberg oder Deutschland häufigen Arten und sind typische Grünlandarten (z.B. Alopecosa cuneata, Pardosa palustris Pardosa prativaga, Pachygnatha degeeri). Einige weisen auf die Vergangenheit als Weinberg, einige (Pardosa monticola, Xerolycosa miniata, Phlegra fasciata) auf eher trockene Verhältnisse (Kuppenlage) hin. An Besonderheiten sind zu erwähnen: eine kleinere Dornfingerart (Cheiracanthium campestre) sowie die einheimische, mit den Vogelspinnen verwandte Tapezierspinne (Atypus piceus). Beide sind im Gegensatz zur gelb-schwarz gestreiften Wespenkreuzspinne unauffällig bzw. die Tapezierspinne fast unauffindbar in ihren unterirdischen Röhren versteckt.

Auf zwei Exkursionen und in Flugfallen konnten bisher 26 Wildbienenarten nachgewiesen werden:

  • die Hummeln Bombus lapidarius, B. hortorum (Gartenhummel), B. sylvarum und B. terrestris (Erdhummel)
  • die Mauerbiene Osmia bicornis
  • die Sandbienen Andrena flavipes, Andrena lathyri und Andrena ovatula
  • die Woll- oder Harzbiene Anthidium punctatum
  • die Seidenbienen Colletes cunicularius und Colletes similis
  • die Furchenbienen Halictus scabiosae, Halictus simplex und Halictus tumulorum
  • die Schmalbienen Lasioglossum calceatum, L. costulatum, L. glabriusculum, L. lativentre, L. malachurum, L. morio, L. pallens, L. pauxillum, L. politum und Lasioglossum sexnotatum
  • die Mörtelbiene Megachile ericetorum
  • die Holzbiene Xylocopa violacea