Im Projekt Stadt.Wiesen.Mensch wurden über einen Zeitraum von drei Jahren städtische Wiesen unterschiedlicher Pflegeintensität faunistisch und floristisch untersucht. Das besondere Interesse lag auf Insekten und Spinnen. Basierend auf der eigenen Studie sowie einer Literaturauswertung wurden die folgenden Informationen und Empfehlungen zusammengestellt. Da in der ökologischen Praxis viele Faktoren die Bedingungen an einem Standort beeinflussen und die konkreten Forschungsergebnisse aus einem räumlich begrenzten Gebiet – der Stadt Karlsruhe – stammen, können selbstverständlich nicht alle Empfehlungen für andere Standorte eins zu eins übernommen werden. Allerdings lassen sich aus den Ergebnissen viele allgemeine Empfehlungen ableiten, die mit entsprechendem Hintergrundwissen und unter Berücksichtigung der speziellen Bedingungen auf andere Standorte erfolgreich übertragen werden können. Dabei sollte im Vorfeld bedacht werden, welche Zielarten oder Lebensgemeinschaften bei geplanten Pflegemaßnahmen gefördert werden sollen, idealerweise ausgehend von dem jeweils vorhandenen regionaltypischen Artenpool. Denn Pflegemaßnahmen zur Förderung der faunistischen Diversität sind in Einzelfällen nicht unbedingt der Förderung der floristischen Artenvielfalt dienlich, insbesondere nicht dem Schutz einzelner, eventuell geschützter Pflanzenarten auf lokal begrenzten Flächen. Und auch unter den Tieren kann die gezielte Förderung einer Art sich zum Nachteil einer anderen auswirken, die andere Bedürfnisse an ihren Lebensraum stellt als die Zielart. Diese Empfehlungen zielen daher in erster Linie auf die Förderung einer hohen regionalspezifischen Biodiversität, d.h. dem Schutz von artenreichen regionaltypischen Lebensgemeinschaften im städtischen Bereich über ein Mosaik aus unterschiedlich gepflegten Lebensräumen. Sie berücksichtigen den Stand der Ausarbeitung des Biodiversitätskonzepts der Stadt Karlsruhe.

Zu den Empfehlungen

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Neue Erkenntnisse zu Blühmischungen

Feldversuch
Andrena ovatula

Der aktuell stattfindende Rückgang von Insekten wird momentan fast allgegenwertig diskutiert. Auch wenn die Ursachen dafür sehr komplex und vielfältig sind, so scheinen besonders der Wegfall geeigneter Lebensräume und eine Verknappung der Nahrungsverfügbarkeit eine entscheidende Rolle zu spielen. Besonders in der modernen Kulturlandschaft sind diese nur noch selten vorhanden und ermöglichen dort immer weniger Arten das Überleben. Um diesem Trend entgegenzuwirken, werden seit einigen Jahren verschiedene Agrarumweltmaßnahmen umgesetzt, zu denen auch die Anlage von Blühflächen gehört. Welche Pflanzen dabei von Wildbienen und Schwebfliegen besucht werden, hat die wissenschaftliche Volontärin Daniela Warzecha vom Naturkundemuseum Karlsruhe über 2 Jahre in einem Feldexperiment beobachtet.

Für die Studie wurden vier der in Hessen empfohlenen Samenmischungen untersucht. Überraschendweise war es nicht die Vielfalt an Pflanzen in einer Mischung, die sie besonders attraktiv für die Insekten machte, sondern vielmehr die Anwesenheit einiger bestimmter Arten. So konnten bereits vier der 94 vorgefundenen Pflanzenarten 80% der beobachteten Blütenbesucher anlocken und weitere 10 waren nötig um die restlichen 20% der 74 erfassten Wildbienen- und Schwebfliegenarten abzudecken. Zu diesen sehr attraktiven Pflanzen gehören Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia), Färberkamille (Anthemis tinctoria), Weißer Gänsefuß (Chenopodium album) sowie Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium).

Diese Ergebnisse können dabei helfen, Agrarumweltprogramme noch erfolgreicher zu gestalten und Blühmischungen zu optimieren. So wurde von den insgesamt rund 100 gezählten Pflanzenarten nur die Hälfte von den Blütenbesuchern überhaupt angeflogen. Zudem sind einige, der in den Mischungen enthaltenen, Pflanzen nicht konkurrenzstark genug und wurden von Arten aus der Samenbank verdrängt. Dabei zählten jedoch einige dieser typischen Vertreter der Ackerbegleitflora zu den effektiven Pflanzenarten, was verdeutlicht, dass der Weg in Richtung einer nachhaltigen Nutzung der Kulturlandschaft vielversprechend für den Schutz unserer Bestäuber ist. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund zu bedenken, dass die gepflanzten Blühflächen naturnahe Lebensräume nicht ersetzen können. Seltene und spezialisierte Arten finden in der Agrarlandschaft oft nur in ungestörten Lebensräumen Nahrung und Nistplätze. Zusätzlich zu den angesäten Blühflächen ist daher der Erhalt von beispielsweise extensiv bewirtschafteten Grünländern essenziell, um die Diversität aller Insekten zu fördern.

Link zur Studie: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/icad.12264/full